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Habe die Ehre!

Er gilt als eine der Nachwuchshoffnungen unter den Fußballkommentatoren, obwohl er schon seit einigen Jahren im Geschäft ist: Christian Straßburger. Mit seiner markanten Stimme kommentiert der 34-Jährige vor allem die Spiele der 2. und 3. Liga sowie die UEFA Europa League bei Sky, MagentaSport und RTL. Gladbacher Anhängern wird Straßburger als Stimme des FohlenRadios bis 2021 bekannt sein. Doch wer ist der Mensch hinter dem Mikrofon, von dem die meisten Fußballfans nur die Stimme kennen? Ein Porträt über einen Mann, der Rückschlägen trotzte und nun seinem Traumjob nachgeht. Und über den Schlüsselmoment, der seine Karriere nachhaltig beeinflusste.

Köln. Man sieht das Leuchten in seinen Augen, wenn er vom Bökelberg erzählt. Die altehrwürdige Spielstätte von Borussia Mönchengladbach, in der in Christian Straßburger die Leidenschaft für den Fußball erwachte. Sein erster Stadionbesuch, den man, so heißt es, nie vergisst. Auch Straßburger hat das bis heute nie. Aufgewachsen in Mönchengladbach war es nur eine Frage der Zeit bis der Bökelberg nach dem heute 34-Jährigen rief, durch Freikarten von der Schule. Und Straßburger folgte dem Ruf. Es war ein Heimspiel gegen Hannover 96 in den frühen 2000er-Jahren, der Regen strömte nur so vom Himmel. Doch dann fiel das 1:0 für die Borussia und auch Straßburger fiel, zehn Reihen nach unten. Mit einem breiten Grinsen im Gesicht erinnert er sich: „Ich bin weich gefallen, auf einen anderen Fan. Die Faszination, die im Stadion herrschte, hat mich begeistert.“ So war der Weg zum Interesse am Fußball und für die Liebe zur Borussia aus Mönchengladbach geebnet. 

Heute ist Christian Straßburger ein gefragter Fußballkommentator. Ein Newcomer, so heißt es in der Szene, einem, dem die Zukunft gehört. Dabei ist er kein Shooting-Star. Ihm ist nichts in den Schoß gefallen. Viel Arbeit, Fleiß und vor allem Beharrlichkeit ließen ihn auf der Karriereleiter nach oben klettern.

Christian Straßburger ist ein offener Mensch. Das merkt man sofort, als er die Räumlichkeiten der Fachhochschule des Mittelstands in Köln zum Media-Day betritt. Ein Mann mit Ausstrahlung. Als er anfängt zu sprechen, fällt eine Sache sofort auf. Straßburgers Stimme. Markant, durchdringend, die Stimme eines Fußballkommentators eben. Die Stimme, die jedes Wochenende aus den Fußballstadien in die Wohnzimmer dringt. Doch wer ist der Mensch hinter dem Mikrofon? Straßburger beschreibt sich mit vielen Adjektiven, er sehe sich „ruhiger als im Job“, denkt, „dass er schon hin und wieder lustig ist“. Er sei „ein guter Freund, verbindlich“. Man könne sich auf ihn verlassen. Auch als gesellig beschreibt er sich. Er trifft sich gern mit Freunden, trinkt gerne Kölsch, geht gerne feiern. Auch das Reisen gehört zu seinen Lieblingsaktivitäten, besonders die USA haben es ihm angetan. Im Sommer besuchte er in San Francisco Spiele der Nordamerikameisterschaft und der nordamerikanischen Profiliga MLS. 

Doch viel von seiner Freizeit muss Christian Straßburger opfern. Für den Job, von dem er seit er zwölf Jahre alt ist träumt. Seitdem er in seinem Kinderzimmer sein erstes erfundenes Spiel kommentierte, wollte er dahin, wo er jetzt ist. Zu den großen Fernsehsender des Landes und in die Fußballstadien, Fußball kommentieren. Doch der Weg dorthin war steinig. Nach seinem „nicht ganz so berauschendem“ Abitur, wie er selbst sagt, absolvierte Straßburger mehrere Praktika bei diversen Medienunternehmen. Unter ihnen Sky Deutschland. Wo es zu einem verhängnisvollen Treffen mit dem damaligen Top-Kommentator Fritz von Thurn und Taxis kam. Sky wollte zu der Zeit einen „Social-Kommentator“ einstellen, jemanden, der während des regulären Kommentierens des Spiels auch Social-Media-Kanäle bearbeitete. Und Sky wählte ihn, Christian, den Praktikanten. Für Straßburger stand plötzlich das Tor zur Kommentatoren-Welt offen. Eine „Once-in-a-Lifetime-Gelegenheit“. Als Vorbereitung sollte er ein Spiel im Re-Live kommentieren, Hannover gegen Schalke. 

Doch als alles so positiv aussah, kam Fritz von Thurn und Taxis an und holte Straßburger auf den Boden der Tatsachen. Er fokussiere sich zu wenig auf das Spiel, meinte von Thurn und Taxis. Mit so einer Leistung werde aus ihm in der Kommentatoren-Branche nichts werden. Ein harter Schlag für Straßburger, dem durch den Einfluss des Kommentators die Chance auf den „Social-Job“ versagt wurde. Doch unter die anfängliche Trauer ob der verpassten Gelegenheit mischte sich bei ihm schnell auch Wut. „Dass kann es doch jetzt nicht sein“, sagte er sich. Und so begann er an sich und seinem Kommentatorenstil zu arbeiten. Jeden Tag. Und arbeitete sich so Schritt für Schritt zu seinem Ziel. 

Angefangen bei dem Viertligisten Rot-Weiß-Oberhausen, bei dem er zu Beginn Social-Media-Manager und später Stadion- und Pressesprecher war. Bis Borussia Mönchengladbach 2017 beim damals 27-Jährigen anklopfte, um ihm bei seinem Lieblingsklub eine Stelle als Volontär im Social-Media-Bereich anzubieten. Beim Niederrhein-Klub entwickelte Straßburger das vereinseigene FohlenRadio und den FohlenPodcast. Durch seine starken Leistungen als Kommentator der Spiele von Borussia Mönchengladbach wurden schnell einige Fernsehsender auf ihn aufmerksam. So begann er schon 2017, Spiele der 3. Liga bei MagentaSport zu kommentieren. Vier Jahre lang etablierte sich Straßburger anschließend in der Sportmedienlandschaft, bis ihn Sky 2021 verpflichtete und der damals 32-Jährige seine Stelle bei Borussia Mönchengladbach schweren Herzens beenden musste. Ein Jahr später folgte auch noch ein Engagement beim Kölner Privatsender RTL.

Heute kennen nicht nur Gladbach-Fans, sondern auch die meisten weiteren Fußballfans die Stimme von Christian Straßburger. Nächste Saison wird der 34-Jährige sein erstes Bundesliga-Spiel kommentieren. Er freut sich unheimlich darauf, erzählt er. Er hat es zu einem der vielversprechendsten Fußballkommentatoren Deutschlands geschafft. Und dass als Beispiel, wie man trotz Rückschlägen mit Beharrlichkeit, Arbeit und einem starken Glauben seine Ziele und Träume erreichen kann. 

Fritz von Thurn und Taxis ist Straßburger übrigens am Rande eines Fußballspiels in Hamburg nochmal begegnet. Thurn und Taxis gab ihm eine freundschaftliche „Watschn“ (bayerisch für Ohrfeige) und sagte ihm: „Siehst du Junge, es geht doch!“ Die Bedeutung von Fritz von Thurn und Taxis für Straßburgers Karriere kann man in jedem Spiel hören, das Straßburger kommentiert. Seine Verabschiedung nämlich ist seinem Mentor gewidmet, dieselbe, die von Thurn und Taxis so viele Jahre verwendet hat: „Habe die Ehre!“

Niklas Schapperer

Fotos: Philipp Busch