HandballSport

Besian Stublla: „Das Feuer ist wieder da!“

Die Zeit in der Junioren-Handball-Bundesliga war hart für Besian Stublla (20).
Erst ein Schritt zurück brachte ihm die Freude am Sport und den Ehrgeiz wieder.

Haan. Das Handy in der Hosentasche vibriert. Besian Stublla zieht es heraus und schaut auf das leuchtende Display. Lilli, seine damalige Freundin hat eine Nachricht geschickt. „Ich hatte einen diabetischen Schock und bin ins Krankenhaus gefahren worden. Mir geht es aber schon wieder besser.“ Stublla zögert kurz und antwortet, dass er sie morgen besuche und ihr eine gute Besserung wünsche. Das Training heute Abend kann er einfach nicht ausfallen lassen, dann würde ihm am Wochenende beim Spiel wieder nur die Bank bleiben. Dem Traum von Handballprofi ordnet er alles unter.

Der Weg zum Profisportler ist bekanntlich ein langer, schwerer. Um ihn zu gehen, braucht es viel Talent, eine Portion Glück, Disziplin und einen Trainer, der auf einen baut. Die Strecke bis zum Ende zu gehen und tatsächlich sein Geld als Profi zu verdienen, gelingt den wenigsten. Viele Jugendliche werden nach und nach aus einem der genannten Gründe aussortiert.

Der Traum vom Profisportler

Besian Stublla weiß, wie hart diese Zeit sein kann und wie es sich anfühlt, Rückschläge hinzunehmen. In seinem Fall war es der Weg zum Handballprofi, den der junge Torwart als Kind und Jugendlicher anstrebt. Bei seinem Jugendklub Haaner Turnverein gehört der Torwart immer zu den besten Spielern. Nach seinem Wechsel in die Jugend des Bergischen HC, spielt er dort immer in der höchsten Spielklasse, der Nordrheinliga, beziehungsweise der A-Jugend-Bundesliga.

Mit nun 20 Jahren läuft Stublla für den TSV Aufderhöhe auf, die in der fünften Liga spielen. Beim BHC und seiner Zwischenstation im zweiten A-Jugend-Jahr Eintracht Hagen hat der deutsch-kosovare die hässliche Seite des Leistungssportes kennen gelernt. Weite Anreisen, starke Konkurrenz und das Gefühl nicht gerecht behandelt zu werden.

Ein Blick in die Jugend: Mit 12 Jahren wechselt Stublla von seinem Jugendverein Haaner Turnverein in die Jugend des Bergischen HC, deren erste Mannschaft nach dem Abstieg aus der Handball-Bundesliga die sofortige Rückkehr dorthin anstrebt und letztlich auch schafft. Im Alter von 14 Jahren wird der Torwart in die Kreisauswahl des Handballverbands Niederrheinaufgenommen und nimmt dort an Turnieren teil. Drei Jahre später folgt eine Sichtung des Deutschen Handball-Bundes. „Mich hat damals sogar der kosovarische Handball-Bund kontaktiert,die mich durch ein Facebook Video meines Vaters entdeckt hatten“, erzählt Stublla. Die Anfrage lehnt er jedoch aus Aufwandsgründen ab.

Kampf mit sich selbst

Was nach einem steilen Aufstieg klingt, ist in Wahrheit aber ein harter Kampf mit der Konkurrenz und besonders mit sich selbst. Im Verein wird sehr viel auf Athletik gesetzt und Stublla, der zu der Zeit etwas kräftiger ist, hatte beim Trainer einen schweren Stand. „Ich denke, dass ich mit etwas kräftigerer Figur sogar ein besser Torwart bin, da mir die Masse hilft“, schildert Stublla seine Ansicht.

Der Torwart erinnert sich an ein Spiel gegen JSG Melsungen im Jahr 2019: Der BHC braucht unbedingt einen Sieg gegen den direkten Konkurrenten, um noch Chancen auf die Meisterrunde zu haben. Nach einer ordentlichen Leistung geht das Spiel aber knapp verloren, dem BHC bleibt nur die Pokalrunde. Der Trainer ist mächtig sauer. Er kündigt an, dass am Dienstag beim nächsten Training keine Bälle gebraucht werden. „Training ohne Bälle? Jeder Sportler weiß, was das bedeutet: Laufen bis zum Kotzen!“, erläutert der Torwart.

Nach einigen intensiven und hitzigen Gesprächen mit seinen Trainern folgte der Wechsel zu Eintracht Hagen, ebenfalls A-Jugend-Bundesliga. Besser läuft es da aber auch nicht. Stublla, der 2020 in Haan sein Abitur besteht und eine Ausbildung in Düsseldorf beginnt, fährt von der Arbeit aus direkt  nach Hagen und ist in der Regel erst um 23 Uhr zu Hause. Der Stress spiegelt sich auch in seinen Leistungen wider, es entstehen Selbstzweifel und das Feuer für den Handballsport geht mehr und mehr verloren. „Ich habe mich in den Schlaf geweint, aus Angst nicht zu spielen.“, beschreibt der 20-Jährige die damalige Situation. Nach nur einem Jahr verlässt er dem Verein wieder. Das Angebot, für die zweite oder dritte Mannschaft zu spielen lehnt er ab.

Das Feuer wieder entfachen

Als ein alter Freund von der Situation erfährt, schlägt er Stublla vor nach Aufderhöhe zum TSV zu wechseln. Fünfte Herrenliga, eine kurze Anfahrt und Trainer, die sich auch um die menschliche Seite kümmern. Nach einem Monat Pause beginnt er wieder und findet die Freude am Sport wieder. „Das Feuer ist wieder da!“, freut sich Stublla.  In Aufderhöhe wird Handball noch vor allem aus Spaß am Sport betrieben, der Verein hat größtenteils amateurhafte Strukturen und spielt laut Stublla eigentlich eine Klasse zu hoch, da viele Vereine in der Liga professionellere Ansätze haben.

Im Sommer 2023 beendet Stublla seine Ausbildung, möchte mit einem Studium beginnen und die Zeit nebenbei fürs Trainieren nutzen. „Beim TSV habe ich wieder gemerkt, wie geil Handball sein kann. Ich möchte unbedingt wieder zwei-drei Klassen höher spielen.” Den Traum vom Profisportler hat Stublla auch nach all den Rückschlägen nicht aufgegeben.

Julius Gräfe

Foto: Julius Gräfe